Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Veröffentlicht am

Wenn Kinder sich über einen längeren Zeitraum traurig, müde oder leer fühlen und zu nichts mehr Lust haben, kann sich dahinter möglicherweise eine Depression verbergen. Der Blogbeitrag möchte einen kleinen Einblick in die wichtige Thematik geben und pädagogische Fachkräfte dazu ermutigen, mit betroffenen Kindern und Jugendliche empathisch und wertschätzend zu arbeiten. 

Depressionen bei Kindern und Jugendlichen kommen leider gar nicht so selten vor. Sie gehören ebenso wie bei Erwachsenen zu den häufigsten psychischen Störungen. Wenn Kinder oder Jugendliche an Depressionen erkranken, beeinflusst das meist den gesamten Entwicklungsverlauf der jungen Menschen.

Wie zeigt sich eine Depression bei Kindern und Jugendlichen?

„Eine Depression ist, wenn all deine Gefühle im Rollstuhl sitzen. Sie haben keine Arme und es ist leider auch gerade niemand zum Schieben da. Womöglich sind auch noch alle Reifen platt. Macht sehr müde.“ (aus: Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und die Tieferschatten, S. 163)

Eine Depression zeigt sich zum Beispiel durch Antriebslosigkeit, Verlust der Freude und des Interesses und durch traurige und niedergedrückte Stimmung. Bei Kindern und Jugendlichen können sich aber auch Symptome zeigen, die man eventuell nicht gleich mit einer Depression verbindet und dadurch das Erkennen erschweren. Wenn z. B. über einen längeren Zeitraum chronische Schmerzen vorliegen oder im Säuglings- und Kindesalter Ess- und/oder Schlafprobleme auftauchen, können diese auch Hinweise auf eine mögliche Depression sein.

Auch hinter Aggressionen kann sich eine Depression verstecken.

Zudem haben betroffene Kinder und Jugendliche eventuell Schwierigkeiten im Sozialen Miteinander mit Gleichaltrigen, zeigen Schulprobleme und sind eher gefährdet, Drogen oder Alkohol zu konsumieren.

In der Pubertät ist es oft gar nicht so einfach, entwicklungsbedingte Stimmungstiefs von depressiven Symptomen zu unterscheiden.

Depressionen und Drogenkonsum bei Jugendlichen

Jugendliche versuchen manchmal, ihre emotionalen Schmerzen oder ihre depressiven Verstimmungen durch den Konsum von Alkohol und Drogen zu lindern. Sie verwenden Drogen dabei als eine Form der Selbstmedikation, um vorübergehende emotionale Erleichterung zu finden. Dies kann jedoch zu einem Teufelskreis führen, welcher die Depression letztendlich verschlimmern kann.

Suizidalität und Depressionen

Bei schweren depressiven Verläufen steigt das Risiko für suizidale Tendenzen bei jungen Menschen. Die größte Gefährdung weisen Betroffene im mittleren Jugendalter auf, was mit ihrer kognitiven und emotionalen Entwicklungsstufe zusammenhängt. Jugendliche in diesem Alter leiden sehr häufig unter starker Hoffnungslosigkeit, die einen bedeutenden Risikofaktor für suizidales Verhalten darstellt. Beim Vorliegen einer akuten Suizidgefahr ist in jedem Fall eine stationäre Therapie einzuleiten.

Welche Ursachen haben Depressionen bei Kindern und Jugendlichen?

Depressionen fallen nicht einfach vom Himmel, sondern haben meist vielfältige und komplexe Ursachen. So können zum Beispiel bestimmte Risikofaktoren bzw. belastende oder traumatische Lebensereignisse zum Auftreten von Depressionen führen.

Todesfälle im FamilienkreisKonflikte oder die Trennung der Eltern, Mobbing und Leistungsdruck in der Schule, aber auch Missbrauchs- und Gewalterfahrungen fördern depressive Symptome. Auch erbliche Vorbelastungen und neurobiologische Faktoren im Gehirn können bei der Entwicklung von Depressionen eine Rolle spielen.

Der Verdacht auf depressive Verstimmungen sollte auf jeden Fall immer ärztlich bzw. psychologisch abgeklärt werden. Wertvolle Unterstützung und hilfreiche Adressen fingen sich auf der Seite der Deutschen Depressionshilfe.

Was können pädagogische Fachkräfte und Lehrende tun?

Depressive Kinder und Jugendliche benötigen meist therapeutische und manchmal auch medikamentöse Unterstützung in der Behandlung ihrer Erkrankung.

Pädagogische Fachkräfte und Lehrende können betroffene Menschen darüber hinaus mit viel Empathie und sensibler und wertschätzender Kommunikation in der Praxis begleiten. Bei der Arbeit mit depressiven Kindern und Jugendlichen geht es vor allem um Verständnis, um kleinste gemeinsame Schritte und manchmal auch nur darum, da zu sein und zuzuhören.

Ein verlässlicher Ansprechpartner zu sein, mit dem man über eigene Gefühle sprechen kann, hilft erst einmal sehr. Darüber hinaus können das Angebot sowie der Aufbau von sozialer Unterstützung, sowie die Ermutigung zu Selbstfürsorge und das Erlernen von gesunden Bewältigungsmechanismen und Entspannungstechniken, eine große Unterstützung sein.

Gerade im sozialpädagogischen und erzieherischen Arbeitsfeld können diese Strategien auch präventiv eingesetzt werden.

Wenn du dir darüber hinaus noch mehr Hintergrundwissen sowie praktische Methoden und Handlungsstrategien für die Arbeit mit betroffenen jungen Menschen oder eine Fortbildung zum Thema wünschst, dann melde dich gerne bei mir.

Deine Bildungsexpertin

Christina Zehetner

Literatur:

Nevermann/Reicher (2020): Depressionen im Kindes- und Jugendalter. Erkennen. Verstehen. Helfen. Verlag C. H. Beck, München (Fachbuch)

Pongratz, Lisa (2022): Igelino lacht nicht mehr. Depressionen kindgerecht erklärt. Springer Verlag, Heidelberg (Ratgeber)

Wynter, Isla (2023): Luka der traurige Blauwal. Peryton Press Verlag. Großbritannien (Vorlesebuch)

Blog: Ich bin alles; Depression verstehen, Alkohol- und Drogenkonsum

Hilfreiche Anlaufstellen:

Deutsche Depressionshilfe

Klinikadressen für stationäre Therapien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Tags:
Sher This:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert