Wie du deine Führung verbessern kannst

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Schlechte Leitung, schlechte Schule?

“Es wird zu viel einfach mal irgendwie gemacht – während die Schlüsselrolle “Führung” kaum beachtet, geschweige denn bewusst ausgebaut wird.”

So oder so ähnlich könnte ein Eindruck aus unserer mehrjährigen Beratungserfahrung mit freien und Montessori-Schulen aussehen.

Dabei ist die Schulleitung entscheidend dafür, wie stabil eure Einrichtung ihre Vision verfolgt. Wie wohl sich Menschen fühlen. Und ob es die Schule noch in 10 Jahren geben wird.

Erfahre in diesem Artikel, warum das so ist, warum Mensch-Sein eine der größten Stärken sein kann – und wie du direkt deine Führung verbessern kannst (unabhängig davon in welchem Bereich du gerade führst).

Schulleitungen sind die Schlüsselrolle eurer Schule

Die Rolle der Schulleitung ist eine Tragende innerhalb der Schule: Wie der Kapitän oder die Kapitänin eines Schiffes steht sie am Bug und

  • setzt den Kurs
  • entscheidet über kurzfristige Handlungen (z. B. Ruder oder Segel) je nach Wetterlage
  • delegiert Alltagsdinge, sodass es der ganzen Crew gut geht
  • geht in Verhandlungen mit den Pirat:innen und anderen Schiffen ????
  • und und und…

 

Führung bedeutet: Die Vision kreieren und halten

Eure Einrichtung ist ein großes Schiff. Mit vielen, vielen beteiligten Menschen. Die Schulleitung steht an der Schnittstelle zwischen vielen verschiedenen Interessen – und darf eine gemeinsame Vision kreieren, unter der sich alle Gruppen zusammenfinden. Sie ist visionsprägend. Und wenn das Schiff in einen Sturm gerät, dann sorgt die Führung dafür, dass der Kurs (spätestens wenn das Meer wieder gemütlich dahin plätschert) erneut aufgenommen wird: Sie hat den Überblick – und ggf. wird sie nach dem Sturm auch mal eine extra Ruhepause anregen.

 

Entscheidungen werden von der eigenen Persönlichkeit beeinflusst

Die Schulleitung trägt Verantwortung. (Sie kann und sollte natürlich sinnvolle Kuchenstücke davon delegieren – am Ende laufen die Fäden aber wieder bei ihr zusammen.) Das heißt auch: Die Person in dieser Rolle trifft ziemlich viele Entscheidungen. Jeden Tag. Manchmal unter großem Zeitdruck.Und diese Entscheidungen sind dabei von der Person und ihrer (Führungs-) Persönlichkeit selbst geprägt – den Mensch bringt man immer mit und das ist auch wichtig und gut so!
Die Frage hier ist: Übernimmt die Person in der Führungsrolle auch die Verantwortung dafür, als Person weiter zu wachsen?

 

Ihr kreiert eine gemeinsame Kultur – und die Schulleitung setzt die Impulse

Von der Führung ausgehend wächst die gemeinsame Umgangskultur – zuerst im Kollegium, aber im zweiten Schritt auch mit den Schüler:innen. Das entscheidet darüber, wen eure Schule anzieht und wer nicht so gut passt – sowohl bei Schüler:innen als auch bei neuen potenziellen Kolleg:innen. Ein großer Einfluss, den die Schulleiter:innen da haben.

 

Schule und Führung gehören einfach zusammen

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Anders als in Unternehmen, die ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen, dreht es sich in der Schule auch inhaltlich um das Thema “Führung”. Die Kinder und Jugendlichen sollen ins Leben geführt werden und sich selbst führen lernen.
Dies weist der Führungsperson einer Schule nochmal eine besondere Rolle zu: Sie beeinflusst nicht nur die Ausrichtung und Kultur der Einrichtung, sondern im Fall “Schule” auch die inhaltliche Qualität.

 

Wenn die Führung die Qualität der ganzen Schule schwächt

Du hast gesehen: Die Schulleitung hat unangefochten den größten Einfluss auf eure Einrichtung. Und das kann weitreichende Folgen haben! Wenn die Führungsperson an eurer Schule (noch!) nicht souverän ihre Rolle ausfüllt, dann werden die beteiligten Personengruppen (Mitarbeitende, Eltern, Kinder, …)  sich immer unwohler fühlen.

 

Konflikte ziehen Energie

Konflikte gehören zum Miteinander dazu – sie können z. B. anzeigen, wenn die Einrichtung eine bessere Führung braucht. Problematisch wird es, wenn die Konflikte nicht souverän aufgefangen werden und immer mehr den Fokus von der eigentlichen Arbeit wegnehmen: Kinder auf das Leben vorbereiten. Spätestens wenn der Unterricht nur noch nebenher läuft und die Auseinandersetzung über der Institution im Fokus stehen – spätestens dann MUSS eine Führung eingreifen und sich ggf. Unterstützung holen.

 

Hohe Fluktuation zeigt (meistens*): Hier läuft es nicht rund

Die wohl häufigste Reaktion auf ein Umfeld, was nicht gut tut, ist zu gehen: Mitarbeitende kündigen, Eltern melden ihre Kinder ab. Das an sich ist schon sehr ungünstig: Ist eine (freie) Schule ja auf Kinder und Eltern angewiesen und häufige Lehrer:innenwechsel bringen Unruhe in die Schule – wenn denn neue passende Lernbegleiter:innen überhaupt gefunden werden können in Zeiten von Fachkräftemangel.

Aber was wirklich weitreichenden Schaden anrichtet, ist, dass sich der Frust von Eltern und (ehemaligen) Kolleg:innen nach außen trägt. Und zwar meist schnell und nachhaltig. Die Eltern sprechen mit befreundeten Eltern über ihre schlechten Erfahrungen an eurer Einrichtung – und nehmen damit aktiv Einfluss auf die Zahl der Neu-Anmeldungen in den nächsten Jahren. Gottseidank tragen sich mit der Zeit genauso die wohligen und positiven Erfahrungen nach draußen.

* Übrigens: Wenn die Segel gerade auf Veränderung stehen, dann kann Fluktuation auch ein Zeichen von Qualität – und bewusst gewollt sein!

 

Oft vergessen: Schulleitungen sind auch Menschen!

Es hält sich ein bestimmtes Bild in der Berufswelt: Professionelle Führung lässt die menschlichen Marotten zuhause. Dazu positioniere ich mich ganz klar:

  1. Das ist nicht möglich. Die Personen in der Führung sind und bleiben Menschen. Zur Gesunderhaltung sollte kein Teil “zuhause gelassen” werden.
  2. Das ist nicht gewünscht. Es gibt nicht die eine Führung, die wirklich professionell ist. Sondern jede Person prägt ihre eigene Führung – und das macht sie nahbar und einfühlsam. Die Professionalität kommt dadurch, dass die eigene Persönlichkeit weiterentwickelt wird, die Werkzeugkiste gefüllt und die Kapazitäten stetig vergrößert werden, auch heikle Situationen souverän und gelassen zu navigieren.

Wir bringen als Menschen nunmal alle unsere eigenen Prägung mit: Wir waren selbst Schüler:innen, haben unsere eigene Erfahrung mit “Führung” und Autoritäten gemacht, haben eigene Stärken und Unsicherheiten. Die gute Nachricht ist – aus unserer Montessori-Haltung heraus sagen wir ganz klar: Es ist nie zu spät, die eigene Persönlichkeit noch weiter zu entwickeln. Und als Führungsperson ist es sogar unsere Pflicht, das zu tun.

 

Die eigene Entwicklung als Führungsperson ernst nehmen

Die eigene Entwicklung darf nicht nur ernst genommen, sondern auch ganzheitlich betrachtet werden. Nicht umsonst gibt es die “7 Räume der Führung” als effektiven (und effizienten!) Ansatz, die Führung in Schulen souverän aufzustellen! In diesem Artikel habe ich dir 3 Häppchen – gut verdaulich und direkt “snackbar” – mitgebracht, die direkt deine Führung verbessern (egal, ob du als Schulleitung deine Einrichtung führst, deine Schüler:innen oder dich selbst).

1.   Die eigene Selbstregulation ausbauen

(Aus dem Führungsraum der “Selbstkontrolle”)

Stell dir vor, dir sitzt ein völlig aufgelöstes Elternteil gegenüber – und du weißt, du hast auch deinen Anteil an Fehlern im Vorfeld gemacht. In dir bauen sich immer mehr Emotionen auf: Du spürst Schuld, willst dich vielleicht verteidigen und rechtfertigen, wirst vielleicht sogar wütend. Und der Wunsch, einfach aufzuspringen und zu gehen, ist riesig. Aber du bleibst sitzen, nimmst 3 tiefe Atemzüge, regulierst dich selbst und kannst dann wieder ganz präsent mit der Person vor dir und der Situation sein.

Immer wenn unsere Reaktion (oder die des anderen) einer Situation “unangemessen” ist, dann wird etwas tieferliegendes ausgelöst. Der Schlüssel ist: Das Zentrale Nervensystem regulieren lernen. Und zwar schnell und effektiv. Hilfreiche Tools hierfür (je nach Situation und Zeitfenster):

  • Tief in den Bauch atmen und deutlich langsamer ausatmen
  • Den Körper ausklopfen
  • In die Natur gehen
  • An einen inneren Sehnsuchtsort denken

Die Führung braucht eine gute Balance an Selbstkontrolle, um nahbar zu sein UND Sicherheit zu vermitteln.

2.   Das eigene Warum brodeln lassen – und andere mitreißen

(Aus dem Führungsraum der “Leidenschaft”)

So schnell kann sie im Alltag verloren gehen: Unsere Leidenschaft und Begeisterung. Wenn sich alles in deiner Führung so… ernst anfühlt, dann ist dieser Impuls für dich!

Verbinde dich mit deinem Warum und deiner Vision. Und dann lass sie immer und immer größer werden. Lass sie so richtig brodeln, überschäumen. Bis du gar nicht anders kannst, als begeistert davon zu erzählen.
Du kannst gerade eine kleine Hilfestellung gebrauchen? Kein Problem – zück Stift und Papier und schau dabei zu, wie deine Begeisterung mit jeder Frage lebendiger wird: Was hat dich an diese Stelle/Position geführt? Was hält dich an dieser Stelle/Position? Was möchtest du noch bewirken? Welchen Unterschied möchtest du in der Welt machen? Wenn es eure Einrichtung 1 Mio mal auf der Erde gäbe, was wäre dann anders?

Gerade wenn sich der Alltag oft zu mechanisch anfühlt, dann plan dir jeden Tag Zeit ein, um dieses sprudelnde Gefühl von Begeisterung weiter wachsen zu lassen:

  • Vielleicht hilft es, das eigene innere Kind frei spielen und lernen zu lassen?
  • Vielleicht liest du Artikel rund um das Thema, das dich motiviert?
  • Vielleicht kannst du dich in mitreißende Utopien hineindenken?

Leidenschaft ist keine Zusatzoption für gute Führung – sondern ein wesentlicher Bestandteil: Sie bringt die verschiedenen Menschen und Interessen hinter einer Sache zusammen.

3.   Kontinuierlich die eigenen Kommunikationsfähigkeiten verbessern

(Aus dem Führungsraum der “Kommunikation”)

Es gibt nichts, was nicht gesagt werden kann. Wirklich. Es ist nur eine Frage des Wies. Und dieses Skillset rund um Kommunikation aufzubauen und zu verfeinern, ist Pflicht für alle in Führung. Nicht nur, um vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen, sondern auch, um dich selbst gesund zu halten.

Hier sind 5 Aspekte, in die ich Teilnehmende in der “Fachausbildung zur souveränen Führungsperson an Schulen” einführe:

  • Betrachte mal Themen, Probleme und Gespräche als Bälle, die in deine Richtung fliegen. Als Leitung sind das oft ganz schön viele.

Ein wichtiger und hilfreicher Ansatz: Du musst nicht jeden Ball fangen. Sondern du darfst entscheiden, welchen Ball du annimmst – und welcher hinter dir auf den Boden fliegen darf, während du einen Schritt zur Seite gegangen bist.

  • Konflikte gehören zu einer Einrichtung dazu – und sie souverän zu navigieren ist eine wichtige Führungsfähigkeit. Setz einen achtsamen Kontext, verbinde dich in Liebe mit der Person und dann lade dazu ein, über die gemeinsame Vision wieder an einem Strang zu ziehen.
  • Wieviel inneren Raum hast du selbst gerade? Präsent mit dem Gegenüber in einem Gespräch zu sein erfordert inneren Platz. Wenn du komplett “zu” bist und eigentlich keine Energie mehr hast, dann kannst du kaum noch präsent sein – und gehst über eigene (gesunderhaltende) Grenzen.
    Check vor großen Gesprächen mit dir selbst ein: Wieviel inneren Platz habe ich gerade?
  • Du bist in der Führung oft weniger als Lösungsfinder:in und mehr als Raumhalter:in und Impulsgeber:in gefragt: Du hörst zu und anstatt deine Meinung und eine Lösung beizusteuern, vertraust du darauf, dass dein Gegenüber es besser weiß. Deine Aufgabe: Zuhören und Fragen stellen.
  • “Kommunikation” kann ein richtiger Wert von manchen Einrichtungen werden und es entwickelt sich eine Kultur, in der jede:r über alles Bescheid wissen soll.
    Oft ist das nicht hilfreich, sondern überfordernd.

Eine Aufgabe als Führung ist zu entscheiden, wer wie viel wissen muss, um die eigene Arbeit gut zu machen.

Deine Bildungsexpertin

Sandra Schumacher

 

Literatur:

Schumacher, Sandra (2022): Schulleitung: Die 7 Räume der Führung: Das Ich entfalten, um mit dem Du umgehen zu können. Independently published

 

Hilfreiche Links:

Alltagshelfer mit dem erprobten System der “Interventionsstufen”

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