Die Kunst der Konfliktlösung in der Kita

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Mediation, Supervision und die Rolle der Kitaleitung

Liebe Lesende, Konflikte sind ein Teil unseres Lebens. Kitas, obwohl gefüllt mit Lachen, Spielen und bunten Farben sind da keine Ausnahme. Unterschiedliche Einstellungen, Ausbildungen, Absprachen, Meinungen oder Perspektiven führen hier durchaus zu Reibereien und Meinungsverschiedenheiten der Beschäftigten.

Wenn du das Gefühl hast, in deiner Kita herrsche mehr die Stimmung von „Game of Thrones“* statt „Sesamstraße“, dann bist du hier richtig. Mit dem Blick des externen Mediators berichte ich heute über die Konfliktlösung in der Kita.

Erkennen von Konflikten in der Kita:

Jeder Konflikt hat Anzeichen. Diese zu erkennen und richtig zu deuten ist mit unter nicht einfach. Vielleicht sind sie trügerisch, oder die nicht vorhandene Zeit veranlasst dich, sie geflissentlich zu übersehen. Keine Sorge, sie bleiben dir erhalten und beanspruchen das nächste Mal mehr von deiner Aufmerksamkeit.

 

Ruhe vor dem Sturm

Erste Anzeichen für Konflikte können vielfältig sein:

•  Angespannte Stimmung, zum Schneiden dicke Luft

• Gereizte Reaktionen, scheinbar wird nichts mehr ‚richtig gemacht‘

• Türen knallen, man schneidet sich und geht sich aus dem Weg

• Distanzierte Haltung, die trotzdem ein ständiges Belauern in sich trägt

• Übereinander Reden statt miteinander Sprechen

• Beschwerden bei der Leitung nehmen zu

• Schrille Ironie und Sarkasmus bei Meetings

• Krankenscheine und keine Bereitschaft für Vertretungen

Wer diese Zeichen bemerkt, hat den Konflikt schon mitten im Raum stehen. Fragst du dich welche Auswege es gibt? Es sind Teamentwicklung, Supervision und in verhärteten Fällen auch die Mediation.

 

Der Weg zur Harmonie

Erst einmal, kein Grund in Panik zu geraten, denn „Nichts wird so heiß gegessen wie gekocht“, so sagte es meine Großmutter. Wenn ich einen freundlichen Blick darauf werfe, dann nenne ich Konflikte gerne „noch nicht genutzte Chancen“. Sie zeigen uns den Weg zur Verbesserung und Harmonie auf, mahnen zur Handlung. Den Personen, die uns triggern, sollten wir dankbar sein, wenn wir es nur in diesem Moment auch könnten … genau hier setzen Mediation und Supervision an.       

 

Mediation

Mediation ist ein Prozess, bei dem ich als eine neutrale dritte Partei helfe, den Knoten des Konflikts zu erkennen und vor allem zu lösen. Es ähnelt dem Einsatz des ‚Übersetzers‘. Er vermittelt in einem Gespräch zwischen zwei Menschen, die unterschiedliche Sprachen sprechen, denn ohne ihn könnten sie sich gegenseitig nicht verstehen.

 

Supervision

Mit der Supervision wird es den Mitarbeitenden möglich, ihre Arbeit zu reflektieren. Sie gleicht einem Spiegel der Erkenntnis und hilft Fehler zu erkennen und zu verbessern. Als Supervisor identifiziere und benenne ich Probleme und helfe dem Team, neue Perspektiven zu entwickeln und Lösungen zu erarbeiten. Hier ist meine externe Sichtweise hilfreich, da ich wertfrei betrachten kann.

 

Teamentwicklung

Mit der Teamentwicklung schafft Ihr ein Fundament für eine harmonische und effiziente Arbeitsatmosphäre. Ihr werdet Euren Zusammenhalt stärken, die Kommunikation fördern und Eure Rollen und Verantwortlichkeiten besser verstehen lernen. Statt eines Nebeneinander findet Ihr zu einem Miteinander. Als Trainer helfe ich dabei, die Struktur und Dynamik innerhalb des Teams zu verbessern. Wollt Ihr Eure von Euren persönlichen Fähigkeiten dauerhaft profitieren? Dann ist die regelmäßige Wiederholung der beste Weg.

Wie könnte es anders sein, hier beginnt das Dilemma: alle drei ‚Zaubermittel‘ kosten Geld und Zeit … Wieviel ist Dir ein friedvolles Arbeitsklima wert? Wo kommen beide her? Vielleicht wechselt Du die Position und fragst es anders: Wieviel investieren wir für das Finden, Einarbeiten und Binden einer neuen Mitarbeitenden? Wieviel kostet der Aufbau eines guten Rufs, damit die Eltern ihre Kinder morgens gerne bringen?

Du bist an einem Kompromiss interessiert? Wie wäre es dann mit Supervisionssitzungen von drei Stunden alle zwei Wochen? Sie optimieren das Arbeitsklima und die Kollegialität. Doch wenn schon krasse Problemen da sind, bedarf es einer schnell anberaumten Mediation. Dann greife lieber gleich zum Telefon, als dass Du weiterliest.  

„Nicht jene, die streiten sind zu fürchten, sondern jene, die ausweichen.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

 

Sei ein Leuchtturm im Sturm!

Der Weg zur Konfliktlösung in der Kita führt über die Kitaleitung. Sie spielt eine entscheidende Rolle in diesem Ganzen. Sie ist wie ein ‚Leuchtturm‘. Du versprichst Führung und Orientierung im Sturm und verlässliche Sicherheit am Tag. Auf deinen Schultern lastet die Verantwortung, ein Umfeld zu schaffen, in dem jedes Teammitglied sich gehört, respektiert und wertgeschätzt fühlt. Weil du deine Arbeit gut und ernsthaft machst, entfalten alle Mitarbeitende ihr volles Potential, bringen sich mit ganzer Kraft ein.

Natürlich besitzt du den Mut, Konflikte anzusprechen statt sie unter den Teppich zu kehren! Du handelst, weil du weisst: Ignorieren ist keine Option, denn Schweigen kostet definitiv die Reputation und behindert jedes kooperative Miteinander.

Und ja, auch ich weiß, die Arbeit in einer Kita gleicht einer Fahrt in einer Achterbahn. Zu lange Anstehen, gefolgt von der aufregenden Fahrt durch Höhen, Tiefen und Loopings und dem ungewissen Ende … Ob eine Euphorie sich nach Jahren immer noch einstellen wird? Aber jeder Tag und jede Herausforderung birgt auch eine Chance zur Verbesserung und zum Wachstum. Und die Themen kommen immer wieder. Und sie sind immer wieder erneut zu bearbeiten. Das liegt einzig und alleine an den unabänderlichen Strukturen, denen sich die Kita unterwirft.

 

Nutze den Konflikt als Chance zur Verbesserung

Liebe Lesende, bevor das nächste Mal in deiner Kita die Fetzen fliegen und du es als eine Chance zur Verbesserung betrachten musst, kannst du wirksam werden. Was euch auf jeden Fall helfen wird, sind die ‚Fünf Schritte des Miteinander Reden‘ um Konflikte bereits im Ansatz konstruktiv zu lösen. Übt das „konstruktive miteinander Streiten“. Mit dem 2W3F fällt es euch viel leichter, unangenehmes anzusprechen. Solltest du es nicht selbst einführen wollen, so komme ich gerne zu einem kurzen Training im Rahmen eures Teamtages oder bei ähnlicher Gelegenheit dazu:

 

Wie geht 2W3F?

Dir ist etwas Eigenwilliges aufgefallen, etwas negativ aufgestoßen, es steht etwas Unausgesprochenes im Raum …

Vereinbare ein kurzes Gespräch. Halte folgende Reihenfolge ein:

  1. Wahrnehmen – „Mir ist aufgefallen, dass …“ / „Ich habe gesehen …“
  2. Wirken – „Für mich bedeutet das …“ /  „Das hat für mich zur Folge, dass …“
  3. Fühlen – „Mir geht es damit“ / „Ich ärgere mich, denn“ / „Mir ist es unangenehm“
  4. Fragen – „Was ist deine Blick auf die Situation?“ / „Wie kam es dazu?“
  5. Folgern – „Welche Lösung schlägst du vor?“ / „Was können wir tun?“

 

Ja es fordert Disziplin. Die ersten drei sind ICH-Botschaft. Sie zeigen auch die eigene Verletzlichkeit auf und ermöglicht ein kollegialen Umgang. Die beiden letzteren Punkte geben der angesprochenen Person die Chance zur einfachen Klärung. Selbst eine Erkenntnis, wie ein „Oh so habe ich das noch nicht gesehen“, sind hier allemal möglich.

Das Üben dieser Form kann zu schnellen, produktiven und gut verträglichen Lösungen führen.

Es kann zwar sein, dass sich nur eine Person im Konflikt fühlt, doch „Streitende sollten wissen, dass nie einer ganz recht hat und der andere ganz unrecht“. Das zumindest wusste Kurt Tucholsky zu berichten. Daher liegt die Lösung auch nie bei einem Alleine, sondern immer im Miteinander.

 

Konflikt bringt Stress – Konfliktlösung fördert Kooperation

Ich weiß, der Umgang mit dem Konflikt ist nicht einfach und wird immer von Unbehagen oder sogar Stress begleitet. Dennoch sollten die Chancen, durch eine Lösung für Wachstum und Verbesserung des Team-Klima zu sorgen, dass Bestimmende sein. Denn Hand aufs Herz, das Wohlbefinden deines Teams ist dir immer das Wichtigste. Du willst ein glückliches, zufriedenes Team, dass in einer positiveren Atmosphäre eine gute Arbeit mit Freude leistet. Die  Kindern und deren Eltern haben es verdient und werden es dir danken. Mal lauter und mal leiser …

Liebe Lesende, nimm deine Rolle mit Offenheit, Mut und Engagement wahr. Du bist der Leuchtturm, den dein Team erwartet. Als externes Backup kann ich dich dabei unterstützen. Zur Konsultation bzw. der Übernahme von Teamaufbau, Supervision und Mediation stehe ich dir, wie viele andere Mediatoren, dabei zur Verfügung. Und denke immer daran: Es ist das Lachen der Kinder, für das wir alle arbeiten. Das ist unbezahlbar – im Gegensatz zur Konfliktlösung.

Dein Bildungsexperte

Ralf Hasford

 

Literatur:

Thurmann/Hansen (2023): Souverän mit Konflikten umgehen – Tools, Methoden, Erfahrungswissen: Kindergarten heute leiten kompakt. Verlag Herder

Sasse, Hergen (2023): Konflikte lösen. Schwierige Situationen im Kita-Alltag meistern. Verlag Herder

*„Game of Thrones“ ist bekannt für seine vielschichtigen Intrigen und Machtkämpfe. Hier bedeutet es, dass innerhalb der Kita politische Spielchen, Machtkämpfe oder manipulatives Verhalten stattfinden.

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