Teamfähigkeit in pädagogischen Einrichtungen

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Der unsichtbare Motor erfolgreicher Teams

Im pädagogischen Kontext wird oft viel Wert auf individuelle Fähigkeiten und die Entwicklung des Einzelnen gelegt. Doch was oft übersehen wird, ist die immense Kraft eines gut funktionierenden Teams. Ob in Kindertagesstätten oder Schulen, die Dynamik des Kollegiums spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg der Einrichtung.

  • Was zeichnet erfolgreiche Teams aus?
  • Warum ist Teamfähigkeit so wichtig?
  • Wie kann die Teamfähigkeit verbessert werden?

Damit befassen wir uns im folgenden Blogbeitrag. Es warten neben tollen Erkenntnissen und Impulsen auch ganz konkrete Werkzeuge für dich und dein Team. Werkzeuge, die du sofort umsetzen kannst..

Bevor wir starten, führe bitte eine kleine gedankliche Standortbestimmung deines Teams durch. Reflektiere dazu kurz folgende Fragen. 

  • Wie zufrieden bist du mit der Leistung deines Teams?
  • Wo könnt ihr als Team noch besser werden?
  • Was zeichnet euch als Team aus?

 

Die Psychologie erfolgreicher Teams

Wir werfen zunächst einen Blick auf eine Studie, die die Dynamik von Teamarbeit gründlich untersucht hat: Google’s Project Aristotle. Diese Studie hat ergeben, dass es weniger auf die individuellen Fähigkeiten der Teammitglieder ankommt, sondern viel mehr auf die Art und Weise, wie sie miteinander interagieren. Überraschenderweise war das Schlüsselelement erfolgreicher Teams „psychologische Sicherheit“, ein Begriff, der von der Harvard-Professorin Amy Edmondson geprägt wurde.

Amy Edmondson definiert psychologische Sicherheit als „einen Zustand, in dem sich Menschen sicher genug fühlen, um Risiken einzugehen und sich verwundbar zu zeigen.“ In einem solchen Umfeld trauen sich die Teammitglieder, Fragen zu stellen, Bedenken zu äußern und Ideen vorzuschlagen, ohne Angst vor negativen Konsequenzen für ihre Karriere zu haben.

 

Merkmale erfolgreicher Teams

Basierend auf den Erkenntnissen aus dem Project Aristotle und anderen Studien lassen sich vier entscheidende Merkmale erfolgreicher Teams identifizieren:

1. Effektive Kommunikation: Ein transparenter, offener Dialog zwischen den Teammitgliedern ist essenziell.

2. Gegenseitiger Respekt und Vertrauen: Hier spielt die psychologische Sicherheit eine wesentliche Rolle.

3. Adaptabilität: Der Bildungsbereich ist dynamisch. Die Fähigkeit, sich an Veränderungen anzupassen, ist von unschätzbarem Wert.

4. Klare Zielsetzungen: Ein Team ohne Ziel ist wie ein Schiff ohne Kompass.

Teamfähigkeit ist eine komplexe Eigenschaft, die sich aus verschiedenen Fähigkeiten zusammensetzt. Es geht nicht nur darum, gut mit anderen auszukommen, sondern auch um die Bereitschaft und Fähigkeit, das Teamziel über das individuelle Ziel zu stellen. Dazu gehören Kompromissbereitschaft, die Fähigkeit zur Selbstreflexion sowie die Kompetenz, sowohl Führung als auch Unterordnung übernehmen zu können.

 

Strategien für ein erfolgreiches Team

In pädagogischen Einrichtungen wirkt sich die Teamdynamik direkt auf die Qualität der Bildung und Betreuung aus. Ein funktionierendes Team kann effizienter arbeiten, schneller auf Herausforderungen reagieren und eine positivere Arbeitsatmosphäre schaffen. Das führt nicht nur zu zufriedeneren Mitarbeitern, sondern auch zu einer besseren Lern- und Entwicklungsatmosphäre für die Kinder.

Im Folgenden findest du einige Strategien, um dein Team noch erfolgreicher zu machen:

Teamentwicklungs-Maßnahmen: Mehr als nur Spiel und Spaß

Teamentwicklung ist weit mehr als nur ein Tag im Kletterpark. Es ist eine strategische Maßnahme, die darauf abzielt, das Verständnis und die Kooperation innerhalb des Teams zu fördern. Durch eine Kombination aus Aktivitäten, problemlösungsorientierten Aufgaben und kreativen Herausforderungen lernen die Teammitglieder, effektiver zu kommunizieren, Verantwortung zu teilen und einander zu vertrauen. Diese Erfahrungen sind in der täglichen pädagogischen Arbeit unerlässlich.

Regelmäßige Kommunikation: Das Rückgrat eines erfolgreichen Teams

Der Wert von regelmäßiger Kommunikation kann nicht genug betont werden. Meetings und Supervisionen sollten daher fester Bestandteil des Arbeitsalltags sein. Diese bieten Gelegenheit für Feedback, reflektieren über individuelle und gemeinsame Ziele und geben Raum für Verbesserungsvorschläge. In einer Branche, in der schnelle Entscheidungen und Flexibilität gefragt sind, ist eine reibungslose Kommunikation das A und O.

Professionelles Konfliktmanagement: Konflikte als Chance

Konflikte sind in jedem Team unvermeidlich, aber sie müssen nicht destruktiv sein. Ein professionelles Konfliktmanagement, das klare Strukturen für den Umgang mit Unstimmigkeiten bietet, kann Konflikte in Möglichkeiten für Wachstum und Weiterentwicklung verwandeln. Die Schlüsselkomponenten sind offene Kommunikation, eine neutrale Moderation und die Bereitschaft aller Beteiligten, an einer Lösung zu arbeiten.

Kontinuierliche Fortbildung: Investieren, um zu gewinnen

Jedes Team ist nur so stark wie sein schwächstes Mitglied. Investitionen in kontinuierliche Fortbildung, sowohl in Fachkompetenz als auch in Soft Skills wie Kommunikation oder Zeitmanagement, sind daher unerlässlich. Durch regelmäßige Schulungen und Workshops bleibt das Team nicht nur fachlich auf dem neuesten Stand, sondern entwickelt auch ein besseres Verständnis für die Dynamik und die Bedürfnisse des Teams.

Durch die Kombination dieser Strategien wird nicht nur die Teamfähigkeit gestärkt, sondern es entsteht eine Kultur des Miteinanders, des Respekts und der kontinuierlichen Verbesserung, die für den Erfolg im pädagogischen Bereich unerlässlich ist.

„Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Aber wenn du weit gehen willst, geh mit anderen.“ – Afrikanisches Sprichwort

 

Werkzeuge, für die sofortige Umsetzung

Wie versprochen gibt es nun noch 4 Werkzeuge, die du sofort umsetzen kannst, um die psychologische Sicherheit zu stärken und um dein Team aufs nächste Level zu bringen.

Feedback TeamTipp: Feedback Speed Dating

In deinem Team solltet ihr euch regelmäßig Feedback geben. Um das zu tun gibt es etliche Möglichkeiten: schriftlich, 1:1-Termine oder auch Gruppenformate wie den heißen Stuhl. 

Ein richtig cooles Tool, das auch noch richtig Spaß macht und viele unterschiedliche Elemente vereint ist das Feedback Speed Dating. Und das geht so:

  • Trefft euch in einem Gruppenraum. Das ist eure Basislager, wo ihr euch immer wieder zusammenfindet.
  • Startet mit einem kurzen Check In: Wie seid ihr da? Welche Gedanken habt ihr zu diesem Termin?
  • Geht nun in 2er Gruppen zusammen und sucht euch jeweils ein lauschiges, ungestörtes Plätzchen. Die Session dauert 15 Minuten und läuft folgendermaßen ab:
    • Beide Personen machen sich fünf Minuten Notizen im Format „I like, I wish“. Denkt dabei an die letzten Wochen der Zusammenarbeit.
    • Eine Person teilt ihre Gedanken fünf Minuten mit der anderen.
    • Dann ist die andere Person dran und gibt ihr Feedback.
    • Anschließend gibt es noch ein paar Minuten, um gemeinsam zu reflektieren.
  • Nach der abgelaufenen Zeit, kommt ihr im Basislager wieder zusammen und mixt die Paarungen neu.
  • Führt so viele Runden durch, bis alle Paarungen durch sind. Alternativ macht ihr einfach so viele Runden wie es sich für euch gut anfühlt.
  • Nach der letzten Runde schließt ihr im Basislager mit einem kurzen Check Out ab: Wie geht ihr raus? Welches Feedback ist besonders hängengeblieben?

Führt das Speed Dating in regelmäßigen Abständen durch. Und macht daraus ein tolles Ereignis, auf das sich alle freuen.

Das Tool hilft euch Feedback als „normalen“ Vorgang zu etablieren. Und es baut Vertrauen auf und schweißt euch zusammen. 

Also? Wann findet euer erstes Feedback Speed Dating statt? ????

Emotionen Team Tipp: Der Ärgerprozess

Emotionen sind wichtig und sollten nicht unterdrückt werden. Ein besonders effektives Tool, um in deinem Team dafür zu sorgen, dass Emotionen und Bedürfnisse mehr Raum bekommen, ist der Ärgerprozess. Er ist Teil der gewaltfreien Kommunikation (GfK) nach Marshall B. Rosenberg. Er besteht aus folgenden 5 Schritten:

  1. Denke an eine Situation, in der du dich über eine andere Person so richtig geärgert hast.
  2. Lass alles raus! Welche Bewertungen und Urteile hast du über die andere Person? Was ist die Person in deinen Augen für ein Mensch? Was würdest du dieser Person am liebsten sagen?
  3. Welche Bedürfnisse sind zu kurz gekommen, als die andere Person sich so verhalten hat?
  4. Stelle dir vor, dass die Bedürfnisse zu deiner Zufriedenheit erfüllt wären. Wie fühlt sich das an?
  5. Mach dir bewusst, dass genau diese Bedürfnisse in der beschriebenen Situation zu kurz gekommen sind.

Den Prozess kann jedes Team-Mitglied für sich nach Bedarf durchlaufen. Nehmt euch im Team Zeit euch regelmäßig dazu auszutauschen und über eure Erkenntnisse zu sprechen. Macht eure Bedürfnisse sichtbar und überlegt wie ihr sicherstellen könnt, dass eure Bedürfnisse in eurer Zusammenarbeit besser erfüllt werden.

Vertrauen TeamTipp: „Geh vom Besten aus“ Werkzeug

Vertrauen ist die Basis für ein erfolgreiches Miteinander. Um sich im Vertrauen schenken zu üben, gibt es ein geniales Werkzeug, dessen Gebrauchsanweisung denkbar einfach ist: Gehe bei allem was dir begegnet davon aus, dass dein Gegenüber sein oder ihr Bestes gibt. 

Versuche das mal einen Tag oder eine Woche zu machen. Beobachte deine Gedanken dabei und erforsche deine Haltung. Du wirst merken – gar nicht so einfach. 

Stell dir mal vor was das mit deinem Team macht, wenn ALLE diese innere Haltung an den Tag legen:

  • Anstatt unnötiger Schuldzuweisungen gäbe es Hilfsbereitschaft.
  • Anstatt Getuschel hinter dem Rücken gäbe es das offene Gespräch.
  • Anstatt negativer Gedanken gäbe es fürsorgliche Unterstützung.
Fehlerkultur TeamTipp: Fehlerkuchen 

Um über Fehler offen sprechen zu können, braucht es Vertrauen. Eine großartige und vor allem leckere Methode, um eine gesunde Fehlerkultur aufzubauen und Fehler als Chance zur Verbesserung zu nutzen ist der Fehlerkuchen. 

  • Quartalsweises trefft ihr euch mit dem Ziel, über Fehler zu sprechen. 
  • All jene denen Fehler unterlaufen sind, bekommen den Raum, um davon zu berichten. 
  • Gemeinsam erarbeitet ihr was ihr aus dem Fehler lernen könnt und wie ihr sicherstellen könnt, dass er nicht noch einmal passiert.
  • Zentral ist ein vertrauensvoller und wertschätzender Umgang. Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern ausschließlich um die wertvollen Erkenntnisse.

Wenn jemand offen und ehrlich über einen Fehler spricht, Verantwortung übernimmt und seine Learnings teilt, dann gibt es eine Belohnung in Form eines ganz besonderen Kuchen – den Fehlerkuchen!

Der Kuchen kann beispielsweise vom Chef oder der Chefin höchst persönlich gebacken werden. Was für eine großartige Belohnung für den Mut und das Engagement, aus Fehlern zu lernen und die Fehlerkultur im Team zu verbessern.

 

Machen ist besser als perfekt!

Teamfähigkeit ist kein statischer Zustand, sondern eine Fähigkeit, die sich stetig entwickeln lässt. Mit den vorgestellten Werkzeugen kannst du unmittelbar beginnen, die Teamdynamik in deiner Einrichtung positiv zu beeinflussen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der sofortigen Aktion. Also, los geht’s!

Deine Bildungsexpertin

Sandra Karner

 

Literatur:

Bregman, R. (2020). Im Grunde gut: Eine neue Geschichte der Menschheit. Rowohlt.

Edmondson, A. C. (2020). Die angstfreie Organisation: Wie Sie psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz für mehr Entwicklung, Lernen und Innovation schaffen. Vahlen.

Lencioni, P. M. (2014). Die 5 Dysfunktionen eines Teams. Wiley-VCH.

 

Ein kleines Geschenk für dich:

Hier kannst du einen Fragebogen zur psychologischen Sicherheit in Teams herunterladen.

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