Wie du im Team endlich Konflikte klären kannst Oder: Warum Dauer-Harmonie Team einsam macht und wie KUT dir helfen kann

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Wie du im Team endlich Konflikte klären kannst Oder: Warum Dauer-Harmonie Team einsam macht und wie KUT dir helfen kann

Stell dir vor, es ist Montagmorgen. Egal ob in der Wohngruppe, im Beratungszentrum oder in der Kita: Der Dienstplan sieht aus wie ein Schweizer Käse, die Dokumentation der Nachtschicht fehlt. Und deine Kollegin Sabine hat schon wieder vergessen, das Übergabeprotokoll auszufüllen. In deinem Kopf startet sofort das Gedankenkarussell: „Sie macht das mit Absicht!“ oder „Wenn ich jetzt was sage, ist die Stimmung für die ganze Woche im Keller.“ Du schluckst den Ärger runter, lächelst gequält und spürst, wie sich dein Nacken verspannt. So läuft es doch in vielen Teams, oder? Bis irgendwann alles überkocht und jemand total gereizt ist. Denn wenn alles unter den Teppich gekehrt wird, wird die Beule darunter nur größer und größer. Bis jemand drüber stolpert.


Die Lösung: Die KUT-Regel

KUT – Kein Unter den Teppich kehren. Es ist die Fähigkeit, Dinge so auf den Tisch zu legen, dass niemand darüber stolpert, sondern alle gemeinsam daran arbeiten können.

Was bringt KUT?

Wenn wir Dinge aussprechen, hört das ewige Gedankenkarussell im Kopf endlich auf. Es ist wie der Moment, in dem du nach einem langen Arbeitstag endlich die Arbeitsschuhe ausziehst – ganz schön erleichternd, oder?

KUT schafft echte Verbundenheit, weil wir uns zeigen, wie wir wirklich sind – mit Werten, Grenzen und Ecken.

Für wen ist KUT ideal?

Kurz gesagt: für alle Fach- und Führungskräfte. „Nett sein“ ist super – ich bin auch gerne nett und habe gerne mit sympathischen Menschen zu tun. Doch du darfst verstehen: Schweigen, sich insgeheim ärgern oder hinter dem Rücken reden – das ist das eigentliche „nicht nett“. 

Es ist übrigens kein Konzept, allen gefallen zu wollen und immer nett zu sein. Die KUT-Regel kann für dich notwendig sein.

Was ist KUT NICHT?

Um KUT richtig zu verstehen, müssen wir es von dem trennen, was oft fälschlicherweise für „Klärung“ gehalten wird:

1. KUT ist kein destruktives Gemecker

Dauerhaftes Beschweren im Teamraum ändert nichts an der Struktur, sondern zieht nur die Energie aller nach unten. Statt dich täglich über das Chaos im Materiallager aufzuregen, nutzt du KUT, um das Thema offiziell auf die Agenda zu setzen. Gemäcker erzeugt eine giftige Atmosphäre – KUT verwandelt diese Energie in eine sachliche Struktur, die dich entlastet.

2. KUT ist kein „Von der Seite anrauschen“

Kritik zwischen Tür und Angel abzufeuern gibt dem anderen keine Chance, konstruktiv zu reagieren – es erzeugt nur Abwehr. Statt eine Kollegin vor den Augen aller zu kritisieren, suchst du das Gespräch unter vier Augen und nutzt das vierte A – das Ansprechen der 5As der Konfliktlösung (dazu gleich mehr).. So vermeidest du die unangenehme Spannung eines öffentlichen Schlagabtauschs und schaffst einen geschützten Raum.

3. KUT ist kein bockiger Widerstand

Dienst nach Vorschrift oder passiv-aggressives Schweigen ist auch eine Form, Dinge unter den Teppich zu kehren. Man versteckt seinen Groll hinter einer Mauer aus Blockade. Statt eine neue Anweisung einfach zu ignorieren, nutzt du die 5 As, schaust dir dein Bedürfnis an und suchst das Gespräch. Innerlicher Widerstand ist ein extremer Stressfaktor. Wenn du deine Bedenken aussprichst, löst sich der Knoten in deiner Brust.

Deine Werkzeuge für KUT: Die 5 As und das SOLVE-Modell

Warum Dinge nicht angesprochen kann mehrere Gründe haben:

  • das Klima im Team ist vergiftet und Dinge ansprechen gibt schlechte Laune bis hin zu Mobbing
  • jemand ist ein total konfliktscheuer Mensch und hat schlechte Erfahrungen im Umgang mit Konflikten

Gründe könnte ich noch mehrere aufzählen. Doch: am Klima im Team lässt sich arbeiten. Konfliktfähigkeit ist zu lernen. Und meistens sind dieses nicht die Gründe, sondern eine Scheu vor Konflikten und einem tiefen Bedürfnis nach Harmonie.

Diese entsteht allerdings nicht, wenn Dinge “unter den Teppich” gekehrt werden.

Daher gebe ich dir etwas Konkretes mit. Natürlich brauchen neue Dinge immer etwas Übung, dennoch hast du hiermit schon die ersten Möglichkeiten, wie du “KUT” anwendest.

Der Fahrplan: Die 5 As der Konfliktlösung

Dieser Weg hilft dir, bei dir zu bleiben, ohne den anderen zu verlieren:

  1. Anschauen

Bevor du das Gespräch suchst, halte kurz inne: Was fühlst du gerade? Was brauchst du wirklich – und was ist dein Ziel für das Gespräch?

Praxisbeispiel: Das Übergabeprotokoll fehlt zum dritten Mal. Du merkst: Du bist nicht nur genärvt, du fühlst dich im Stich gelassen. Dein Ziel: Du möchtest, dass die Übergabe zuverlässig klappt. Nicht, dass Sabine sich schlecht fühlt.

2.            Abgleichen

Wechsle die Perspektive: Was könnte ein guter Grund für das Verhalten der anderen Person sein? Das bedeutet nicht, es zu entschuldigen, sondern neugierig statt vorwurfsvoll ins Gespräch zu gehen.

Praxisbeispiel: Vielleicht hatte Sabine gestern eine besonders belastende Schicht und ist schlicht nicht dazu gekommen. Oder sie weiß nicht, wie wichtig das Protokoll für dich und die Folgeschicht ist.

3.            Annähern

Kläre, ob die andere Person gerade gesprächsbereit ist, und such dir einen ruhigen Ort – keinen Flur, keinen Teamraum mit Publikum.

Praxisbeispiel: „Sabine, ich möchte kurz etwas mit dir besprechen. Hast du nach dem Dienst fünf Minuten für mich?“ Das ist ein Angebot, kein Angriff.

4.            Ansprechen

Nutze die Formel WWW: Wahrnehmung – Wirkung – Wunsch. Oder bei komplexeren Themen die Formel SAG ES (Sichtweise, Auswirkungen, Gefühle, Erfragen, Schlussfolgerungen). Bleib dabei in der Ich-Perspektive.

Praxisbeispiel (WWW): „Ich habe bemerkt, dass das Übergabeprotokoll in dieser Woche dreimal nicht ausgefüllt war. (Wahrnehmung) Das macht es für mich schwer, die Schicht sicher zu übernehmen. (Wirkung) Ich wünsche mir, dass wir das gemeinsam lösen. (Wunsch)“

5.            Abschließen

Nach dem Gespräch ist das Thema abgeschlossen. Es wird nicht mehr aufgewärmt, nicht beim nächsten Konflikt als Munition benutzt. Wenn keine Einigung gefunden wurde: zurück zum ersten A und den Prozess neu starten.

Praxisbeispiel: Ihr habt vereinbart, dass das Protokoll künftig als letzter Schritt vor dem Dienstübergabe-Gespräch ausgefüllt wird. Abgehakt – und gut.

Manchmal sind konflikte vorhanden, die müssen gemeinsam im Team gelöst werden. Hierfür eignet sich SOLVE:

Die Team-Struktur: Das SOLVE-Modell

  • Situation kennen

Bevor ihr in die Diskussion geht, schafft ihr sichere Rahmenbedingungen: klare Regeln für das Gespräch, Ich-Botschaften statt Vorwürfe, keine Unterbrechungen.

Praxisbeispiel: Ihr nehmt euch 30 Minuten im Besprechungsraum, ohne Handys. Die Moderatorin eröffnet: „Wir reden heute über den Dienstplan. Jede Person darf aussprechen – wir hören zu, bevor wir antworten.“

  • Offenheit schaffen

Jetzt dürfen alle sagen, was sie wirklich beschäftigt. Emotionen sind erlaubt – sie sind Informationen, keine Störungen. Aktives Zuhören ist hier die Schlüsselkompetenz.

Praxisbeispiel: Eine Kollegin sagt: „Ich fühle mich überlastet und nicht gehört.“ Die Moderation fragt nach: „Was genau macht dir am meisten zu schaffen?“ statt sofort zu erklären oder zu rechtfertigen.

  • Lösungen entwickeln

Jetzt geht der Blick nach vorne: Was können wir gemeinsam tun? Nicht: Wer ist schuld? Ideen werden erst gesammelt, dann bewertet.

Praxisbeispiel: Das Team sammelt: frühzeitigere Dienstplanung, eine digitale Übergabeliste, ein rotierendes Verantwortungssystem. Erst dann entscheidet ihr gemeinsam, was umgesetzt wird.

  • Vertrauen und Verantwortung

Vereinbarungen brauchen Namen dahinter. Wer macht was bis wann? Ohne klare Verantwortung bleibt die schönste Lösung Theorie.

Praxisbeispiel: „Klara erstellt bis Freitag eine Vorlage für die digitale Übergabe. Thomas kümmert sich nächste Woche um die Einweisung.“

  • Ergebnisse sichern

Haltet die Vereinbarungen schriftlich fest und macht Ziele messbar. Wann prüft ihr, ob es geklappt hat?

Praxisbeispiel: Im nächsten Teammeeting in vier Wochen nehmt ihr euch zehn Minuten, um zu prüfen: Funktioniert die neue Übergaberoutine? Was müssen wir noch anpassen?

Fazit: KUT ist wie das Öffnen der Fenster – es bringt frische Luft!

KUT – Kein Unter den Teppich kehren – ist der Weg für alle, die Klarheit lieben, aber keine Lust auf Ellenbogen-Mentalität haben. Es macht dich nicht autoritär, sondern berechenbar und sicher.

Soziale Sicherheit entsteht nicht durch die Abwesenheit von Reibung, sondern durch die Kompetenz, sie zu nutzen.

Und ja: das kann am Anfang ungewohnt sein und schwierig.. Du darfst zittern, während du etwas Schwieriges sagst. Das nennt man Mut. Und dieser Mut bringt die frische Luft, die dein Team braucht.

 

Ihre Bildungsexpertin: Martina Kohrn

Du möchtest, dass das Team die KUT Regel anwendet? 

Gerne komme ich zu Seminaren, Workshops zu Euch.

Mein gesamtes Portfolio findest du hier auf dieser Seite

Literatur:

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